Im Jahre 1858, neun Jahre nach der Entstehung der ersten Gesellenvereine überhaupt, gründete Pfarrverweser Friedrich Schultheiß den Katholischen Gesellenverein in Bühl. Der Bühler Gesellenverein ist - nach Freiburg, Offenburg, Mannheim, Karlsruhe und Oberkirch - der sechst älteste Gesellenverein in der Erzdiözese Freiburg. 

Die Geburtsstunde der Kolpingsfamilie Bühl war noch zu Lebzeiten Adolph Kolpings. Nur drei Jahre nach der Gründung des als Keimzelle geltenden Kölner Gesellenvereins, entstand durch den Kaplan Adolph Kolping im Jahre 1852 der Freiburger Gesellenverein. Der erste Präses in Freiburg war der Universitätsprofessor und Bühler Bürgersohn Alban Stolz. Höchstwahrscheinlich in dem von Alban Stolz geleiteten Gesellenverein lernte der 1857 in Freiburg geweihte Priester Friedrich Schultheiß die Ideen Adolph Kolpings kennen. Im selben Jahr wurde Friedrich Schultheiß als Pfarrverweser in Bühl bestellt, wo er die Gründung eines Gesellenvereins anregte. 

Am 28. Dezember 1857 traten 26 Gesellen in Bühl zur Gründung und Aufstellung der Vereinsstatuten zusammen - darunter Buchbinder, Gerber, Glaser, Kappenmacher, Kübler, Maurer, Nagelschmiede, Schneider, Schreiner, Schuster, Wagner, Weber und Zinngießer. Das Gründungsgeschehen war am 27. März 1858 abgeschlossen. 

Das Statut der Kath. Gesellenvereine in Baden von 1858 beinhaltete, dass „...nur ledige Handwerksgesellen als ordentliche Mitglieder aufgenommen...“ wurden und „........jedes aufzunehmende Mitglied .......... wenigstens achtzehn Jahre alt sein“ und zudem „einen unbescholtenen Lebenswandel führen...“ musste. Des weiteren hatte „...der betreffende Geselle wenigstens drei volle Monate Probezeit“, bevor er als “ordentliches Mitglied“ galt. 

Die ersten Zusammenkünfte des Bühler Gesellenvereins fanden im Rebstock statt. Nach den sonn- und feiertäglichen Gottesdiensten und den Prozessionen, an denen die Gesellen mit ihren Fahnen teilnahmen, fand man sich zu Bier und Gesang ein, um einige Stunden bei ruhiger, geselliger Unterhaltung zu verbringen. Das Bühler Vereinslokal war sonntags und feiertags nach Beendigung des Gottesdienstes den ganzen Tag bis abends 10 Uhr geöffnet. Die Gesellen konnten sich auch an Wochentagen „zum Lesen und zur Unterhaltung ..... einfinden.“ Versammlungen mit Belehrungen fanden abends statt. Wenigstens eine Unterrichtsstunde, am besten jedoch „regelmäßige Teilnahme“ am Unterricht wurde empfohlen, und zwar „...in der Religion, ...in Gesang und Musik, ...in Lesen, Schreiben und Rechnen, ...in Zeichnen, ...in Geographie und Geschichte, ...in Naturkunde.“ 

Das damalige Bürgermeisteramt überwachte regelmäßig die Zusammenkünfte der Handwerksgesellen. „Der Montag sollte zu Zusammenkünften nicht bestimmt werden,“ lautete ein Beschluss des Bürgermeisteramts, „da ......ein blauer Montag daraus werden könnte.“ Die Sorge war jedoch unbegründet. 

In der Vorstandssitzung vom 29.1.1890 wurde der Gesellenverein dem Bürgerlichen Gesetzbuch angepasst. 

Am 24. Juli 1892 wurde ein Lehrlingsverein (heute: Jungkolping) in Bühl gegründet, der eine Überleitung von der Schule in den Gesellenverein sein sollte. 

Im Jahre 1899 zählte der Bühler Gesellenverein 45 Mitglieder (Gesellen) und 105 Ehrenmitglieder. 

Am 2. Juli 1899 wurde die Einweihung des Katholischen Vereinshauses „Friedrichsbau“ gefeiert. Damit verbunden war das 40jährige Stiftungsfest der Kolpingsfamilie. Die 40jährige Wanderschaft von Vereinslokal zu Vereinslokal („Löwen“, „Schützen“, „Bären“, „Sonne“, „Restauration Hemmerle“, „Hirschen“, „Adler“ und „Burg Windeck“) fand damit ihr Ende. Der Gesellenverein durfte von nun an den großen Saal im Friedrichsbau für seine Versammlungen nutzen. 

In der Vereinssitzung vom 10. Oktober 1899 wurde beschlossen, diejenigen Gesellen aus dem Verein auszuschließen, die dreimal unentschuldigt den Vereinsabenden fernblieben. Ebenso sehr wurde den Gesellen die Erfüllung ihrer religiösen Pflichten ans Herz gelegt. 

Das Theater spielte im Leben des Bühler Gesellenvereins eine wichtige Rolle. Zunächst sicherte das Spiel die materiellen Grundlagen des Vereins, sodann war es ein großes Werbemittel für den Gesellenverein überhaupt und hielt ihn über alle Krisenzeiten hinweg zusammen. Die Theatergruppe war landauf landab bekannt. Unzählige Theaterstücke und Schauspiele boten die Laiendarsteller dem Publikum dar. In den Jahren 1900 bis 1920 waren es besonders biblisch-kirchengeschichtliche Stücke. Das Passionsspiel, das den Ruf Bühls als „Badisches Oberammergau“ begründete, wurde 1902, 1908, 1914 und 1925 zur Aufführung gebracht. Die Chronik berichtet über den Publikumsansturm: „Im Jahre 1902 wurde die Passion viermal aufgeführt, jedes Mal waren es 1000 begeisterte Zuschauer, die den Friedrichsbau füllten.“ 

Der Bühler Gesellenverein nahm an den verschiedensten Festlichkeiten anderer Gesellenvereine teil: 1903 an der 50-Jahr-Feier des Kölner Gesellenvereins, 1905 mit einer Fahnenabordnung beim Straßburger Katholikentag sowie in den Jahren 1905, 1906 und 1907 mit einer Abordnung an den Jubelfesten der Karlsruher, Offenburger und Oberkircher Gesellenvereine. 

Am 12.7.1908 konnte der Bühler Gesellenverein selbst sein 50jähriges Wiegenfest feiern. Sehr viele auswärtige Gesellenvereine waren erschienen, die unter den Klängen der Stadtkapelle um 9 Uhr vom Bahnhof abgeholt und in Festzugsordnung zu der Kirche geleitet wurden. Mit dem Festgottesdienst verbunden war die kirchliche Weihe der neuen Fahne des Gesellenvereins. Die Festpredigt hielt der damalige Präses Wilhelm Röckel. 

Der erste Weltkrieg überraschte die Bühler Kolpingsfamilie in einer Blütezeit. Gleich 1914 wurden 40 Gesellen und auch viele Altmitglieder zum Kriegsdienst einberufen, 1916 waren es 60 und am Ende des Krieges 71; davon gaben 11 ihr Leben. Gerade in dieser Notzeit zeigten sich die Gesellen als Mitglied einer Familie: waren es oft auch nur noch 4 oder 5, die am Vereinsabend da waren, blieb doch die Verbundenheit mit denen im Feld gewahrt. Franz Schwab, der während der Kriegszeiten anlässlich seiner 40jährigen Vereinszugehörigkeit als Vizepräses geehrt wurde, regte nach Kriegsende die Vereinsabende wieder an. In den nächsten Wochen kehrte die Mehrzahl der Gesellen aus der Gefangenschaft zurück. Die folgenden Jahre waren alle dem Wiederaufbau gewidmet. Ein im Jahr 1920 vom Gesellenverein abgehaltener Tanzkurs steigerte die Mitgliederzahl auf 98 aktive Mitglieder und 235 Ehrenmitglieder, ein Stand, der sich etwa bis zur Auflösung 1937 hielt. 

Die turbulente Zeit der Inflation spiegelte sich in folgenden uns noch erhaltenen Angaben: Anfang 1922 betrug der Monatsbeitrag für Mitglieder 50 Pfennig, um bis zum November desselben Jahres auf 1 Mark, 1.50, 2.50, 4 und schließlich 40 Mark zu steigen. Von nun an schienen nur noch Millionäre Mitglieder des Gesellenvereins gewesen zu sein: Im Juni 1923 betrug der Monatsbeitrag 500 Mark, im Juli 1000 Mark, im August 2000 Mark und erreichte im Oktober die Summe von sage und schreibe 300.000 Mark. Im Dezember stabilisierte sich die Währung. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde am 22. April 1923 das 65jährige Stiftungsfest gefeiert, ebenso das 70jährige im Jahre 1928. 

Im Jahre 1930 gewährte der Kath. Gesellenverein Bühl insgesamt 305 durchreisenden Gesellen und Nichtmitgliedern Nachtherberge. Er bat das Bürgermeisteramt um eine Unkostenbeihilfe, da er die Kosten nicht alleine tragen konnte. 

Zum letzten Mal trat die Kolpingsfamilie Bühl 1932 bei der Einweihung des „mit großem Opfer erstellten“ neuen Gesellenheimes in der Wiedigstraße in die breite Öffentlichkeit; dann begann das Ringen mit dem damaligen Regime. Im Jahre 1933 wurde die vom Gesellenverein geplante Theateraufführung, das Schauspiel „Schlageter“, von den Nationalsozialisten verboten. Schlageter wurde 1923 wegen Spionage und Sabotage zum Tode verurteilt. 

1937 musste der Bühler Verein aufgelöst werden. Nachdem eine Neugründung im Jahre 1946 gescheitert war, wurde der zweite Versuch im Jahre 1948 zum erfolgreichen Neubeginn. Die Anfänge waren sehr bescheiden, aber schon im Sommer 1948 nahmen 17 Bühler Kolpingsöhne am nordbadischen Gesellentag in Karlsruhe teil. 

Ein Jahr später, am 26. Juni 1949 feierte der Gesellenverein mit traditioneller Festlichkeit die Feier seines 90jährigen Bestehens, verbunden mit dem mittelbadischen Gesellentag. Über 40 Gesellenvereine mit nahezu 400 Mitgliedern erschienen, um der Feier den entsprechenden Rahmen zu geben. Dieses Fest gab der „jungen“ Kolpingsfamilie die nötige Kraft, das 90jährige Erbe mutig anzutreten. 

Nach der Neugründung knüpfte die Laienspielschar der Kolpingsfamilie unter Prof. Josef Harbrecht, seit 1955 unter der Regie von Dr. Gustav Pohl, an die große Tradition des Bühler Kolping-Theaterspiels an. Volkstümliche Stücke, wie „Krach um Jolantha“, aber auch anspruchsvollere, wie Timmermanns „Tryptichon der heiligen drei Könige“ wurden erfolgreich in der Bühler Stadthalle aufgeführt. Kunstmaler Paul Rotthoff schuf in selbstloser Weise jahrzehntelang die Kulissen. 

1958 feierte der Bühler Gesellenverein gebührend sein 100jähriges Bestehen. Der Festumzug am Sonntagnachmittag des 18.5.1958 war sicher einer der Höhepunkte der Jubiläumsfeier. Dicht umsäumten die Menschenmengen die Straßen, durch die sich der Festzug bewegte. Über 400 Teilnehmer, darunter Abordnungen verschiedenster Kolpingsfamilien aus Nah und Fern mit ihren rund 80 Fahnen und Banner, wurden gezählt. In einer Reihe von Darstellungen wurde die Idee Kolpings geschildert. Dabei durften natürlich auch nicht die Hinweise auf die Tätigkeit der Handwerker fehlen. Viel bewundert wurde ein etwa drei Meter Durchmesser großes Wagenrad, das vier Kolpingsöhne durch die Stadt rollten. 

Im Jahre 1960 wurde unter dem damaligen Präses, Kaplan Alfred Behr, mit dem Bau des Geschwister-Scholl-Hauses in Herrenwies begonnen. Die Kolpingsfamilie war maßgeblich am Bau des Hauses beteiligt. 

Seit 1966 hat sich das Kolpingwerk auch für Frauen geöffnet. Doch erst 1991, im Jahr der Seligsprechung Adolph Kolpings, wurden Frauen offiziell als Mitglieder in die Kolpingsfamilie Bühl aufgenommen. 

1969 wurde das Bühler „Kinderfest“ nach der Idee des damaligen Vorsitzenden Wilfried Kirschner geboren. Er prägte maßgeblich die Arbeit der Bühler Kolpingsfamilie und war Motor für vielerlei Aktivitäten und Feste. Mit viel Engagement und Hingabe setzte er sich für die Belange der Pfarrei, ebenso wie zur Linderung der Not in der Dritten Welt ein. Die Kolpingsfamilie war auf dem Bühler Weihnachtsmarkt präsent. Es fanden Altpapier- und Altkleidersammlungen, Hungermärsche, Kruschtl-Märkte sowie ab 1970 die alljährliche Nikolausaktion statt, deren Erlöse an Bedürftige im In- und Ausland gingen. 

Ihr 125jähriges Bestehen feierte die Kolpingsfamilie Bühl vom 6. – 8. Mai 1983. 

Im Jahre 1998 lud die Kolpingsfamilie zu ihrem 140jährigen Jubiläum ein. 

Die Kolpingsfamilie blickt nun auf eine 150jährige Geschichte zurück. 

Sie besteht derzeit aus drei Altersgruppen: Seniorengruppe, Familiengruppe und Kolpingjugend. 

Die Seniorengruppe trifft sich in der Regel einmal im Monat zu Ausflügen, Besichtigungen, Vorträgen, Austausch und gemütlichem Beisammensein. 
Die Familiengruppe lädt zwei bis dreimal im Jahr zu Familienausflügen ein. Familienfastnacht, Adventssingen in Altenheimen, Palmenbinden etc. stehen ebenso auf dem Programm. 
Die Kolpingjugend trifft sich wöchentlich, wirkt mit bei der Vorbereitung und Gestaltung von Jugendgottesdiensten, trägt zusammen mit dem Pfarrer die Verantwortung für die Firmvorbereitung und führt verschiedene Aktionen durch wie die Bibellesewoche in der Ulrika-Nisch-Kapelle. 

Die Kolpingsfamilie unterstützt durch Altkleidersammlungen und die alljährliche Nikolausaktion weiterhin ihre Dritte-Welt-Projekte. 

In ihrem Jubiläumsjahr zählt die Kolpingsfamilie Bühl 70 Mitglieder sowie 25 Fördermitglieder. 

 

Herausgeber: Kolpingsfamilie Bühl 
Es wurden u. a. Texte verwendet von: 
Dr. Suso Gartner, Hermann Seiler , Werner Vetter und 
„Aus der 100jährigen Geschichte des Bühler katholischen Gesellenvereins“ 
Zusammenstellung: Ulrike Müller

18. Februar 2013